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neujahrsgruss

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Es war ein Arbeiter, der die Initiative zur Gründung der Friedberger Baugenossenschaft ergriff. Sein Name sei hier ehrend erwähnt. Georg Riedermeier. Mitglied des Magistrates und Vorsitzender des Arbeiterrates.

Der Friedberger Gemeindebote schreibt am 02. April 1919 (verkürzt):

“... Das vor Wochen auf Anordnung des Bezirksamtes vom Stadtmagistrat gegründete Wohnungsamt sieht sich nachgerade vor nahezu unüberwindliche Schwierigkeiten gestellt. Die Wohnungsnot ist nicht nur in Großstädten drohend eingezogen, sondern hat auch kleine und kleinste Städte betroffen und nun auch in Friedberg einen Umfang angenommen, bei dem die durch die Verordnung der Ministerien vorgesehenen Maßnahmen keinen oder wenigstens nur mehr einen vorübergehenden Erfolg zu zeitigen vermögen. Der verdiente Vorsitzende des Arbeiterrates, Herr Georg Riedermeier, hat im Benehmen mit Beamten, Bürgern und Landwirten für gestern Abend 7 Uhr zu einer Versammlung zum Zwecke der Gründung einer „Genossenschaft zur Erbauung von Kleinwohnhäusern“ in die Räume der Gastwirtschaft zum Hohen Glas“ des Josef Bichler in Friedberg eingeladen..."

Diese Einladung hatte überraschend zahlreichen Erfolg. Neben dem Vertreter der Verwaltungsbehörde und der Vertretung des Stadtmagistrates waren fast sämtlichen Behörden durch zahlreiche Beamte vertreten. Die Lehrerschaft, zahlreiche Bürger, Arbeiter und Gewerbetreibende waren der Einladung gefolgt und füllten die zwei großen Säle der Bichlerschen Gastwirtschaft..."

Die Gaststätte "Zum Hohen Glas" um das Jahr 1915

Nach einleitenden Worten von  Georg Riedermeir nahm der Vorstand des Amtsgerichtes und Mieteinigungsamtes Friedberg, Herr Oberamtsrichter Meisinger das Wort und gab Auskunft über die in seinem Dienstgebrauch erfahrenen misslichen Wohnverhältnisse. Nicht mit Unrecht wies der Redner darauf hin, dass die bisherigen Eingriffe der Wohnungsbehörde bei den Betroffenen insbesondere bei Hauseigentümern schwere Erbitterung und große Sorge hervorgerufen und doch nicht volle Abhilfe geschaffen hätten. Volle und restlose Abhilfe, sei nur von der Durchführung von Neubauten zu erwarten. Weit mehr als 100 Anwesende verfolgten diese Ausführungen. Man schlug vor, sich eine Wohnungsgesellschaft zu geben und eine Satzung nach Muster der Allgemeinen Baugenossenschaft für Augsburg und Umgebung zu erlassen. Als Geschäftsanteil wurden 300 Mark festgelegt. Nach der Konzeptionierung eines Satzungsentwurfs wurde dieser der Versammlung vorgelegt und sage und schreibe 103 Anwesende unterschrieben sofort und zeichneten sich als Mitglieder ein.

Gleichzeitig wurden die Herren Oberamtsrichter Meisinger, Obergeometer Burghart, praktischer Arzt Dr. Wilhelm Lohmüller, Arbeiterrat Johann Geiger, Schreiner Xaver Schmid, Schlossermeister Christian Karrer, Stuckateur Anton Oswald, Oberlehrer Will und Gärtnermeister Ludwig Unflad in den neu gegründeten Aufsichtsrat gewählt.

In der gleichen Versammlung wurde der 2. Bügermeister der Stadt Textilkaufmann Alois Sperrer zum 1. Vorstand, Rentamtssekretär Alois Krammel zum Kassier und Anwaltsbuchhalter Jakob Dosch zum Schriftführer bestimmt.

Der Friedberger Gemeindebote schreibt abschließend:

“…ein selten glücklich verlaufener Abend. Nach Monaten und Jahren der schwersten Erregungen, nach politisch hochgehenden Wogen und dem in Versammlungen zur Tagesordnung gewordenen leidenschaftlichen Zusammenprall von Meinungen, nach Zeiten fortgesetzter Beschwerdeführung und Misstrauens gegenüber Behörden und Mitbürgern endlich, endlich wieder das aufgehende Licht allgemeiner Übereinstimmung, Zusammenhaltens und froher Zukunftshoffnung – ein Symbol des Wiederaufbaus im wahrsten Sinne des Wortes! Möge sie Schule machen, diese Friedberger Baugenossenschaft, blühen und gedeihen zum Heile einer neuen sehnsüchtig erwarteten Zeit...”

Von links: Oberamtsrichter Josef Meisinger, Aufsichtsratsvorsitzender von 1919-1930
Gründungsvorstand Textilkaufmann Alois Sperrer 1919 - 1929
Rentamtssekretär Alois Krammel 1919 - 1922
Anwaltsbuchhalter Jakob Dosch 1919 - 1930 

 

Die Verantwortlichen waren ausgewählt und nun galt es rasch zu handeln. Nur wenige Wochen darauf war man sich mit den Landwirtseheleuten Max und Kreszenz Kügle einig, nach der Bereitstellung eines angekauften Ersatzgrundstücks von diesen rund 17.000 qm Baugrund nördlich der Bahnlinie um 13.800,-- Mark zu erwerben und die Planung sofort anlaufen zu lassen.

Herr Architekt Horle aus Augsburg erhielt den Auftrag einen Bauleit- und Bauplan zu erstellen und Wohnblöcke  beiderseits der neu gegründeten Frühlingstrasse zu konzipieren. Drei Wohnblöcke, nämlich die Hausnummern 9,11 und 12 mit je fünf Wohnungen, also insgesamt 15 Wohneinheiten stellte man sich vor und versuchte die Finanzierung  bei einer Bausumme von insgesamt 490.000,-- Mark auf die Beine zu bringen. Aufgrund der durchgeführten Ausschreibung erhielten die Friedberger Baufirmen Heisserer und Faig die Maurerarbeiten zugeteilt. Vom Ministerium wurde ein Bauzuschuss von 225.000,-- Mark zugesagt, wobei die Stadt für ein Sechstel dieser Summe die Zins- und Tilgung zu übernehmen hatte. 60.000,-- Mark wurden durch die gezeichneten Geschäftsanteile abgedeckt, der Rest durch eine Hypothek.

Wegen der Materialbeschaffung – kurz nach Ende des Krieges – gab es noch erhebliche Schwierigkeiten. So mussten die Ziegelsteine in einer Ziegelei am Stadtrand sichergestellt werden und auch aus einer Abbruchmaßnahme beim Bauernbräu wurden Steine beschafft. Eine ordentliche Zufahrt zu der Baustelle war noch nicht vorhanden, so dass man sich gezwungen sah, an die Baufirmen Zusatzkosten zu leisten für das Ankarren von Materialien mit Schubkarren. Außerdem griff die Teuerung im Frühjahr 1920 schon um sich. Deshalb stand eine Baueinstellung kurzfristig zur Debatte, was letztlich mit einer gewährten Teuerungszulage an die Handwerker abgewandt werden konnte.

In der Mitgliederversammlung vom 26.06.1920 wurden die 15 Wohnungen unter den 63 interessierten Mitglieder, vorrangig Gründungsmitglieder verlost, die bereits im Sommer 1920 nach einer Bauzeit von nur 8 Monaten bezogen werden konnten. 15 neue Wohnungen zu gleicher Zeit, das war für die damalige Zeit und für das seinerzeit nur rund 4.000 Einwohner zählende Friedberg eine große Leistung.

 Jeder, der in eine dieser  ersten Wohnungen einzog, konnte sich glücklich schätzen, denn sie waren solide, geräumig und vor allem sonnig. Jede Wohnung hatte eine Diele und ein Trocken-Klosett, Keller- Speicher und ca.100 qm Gartenanteil. Zur gemeinschaftlichen Benutzung stand eine Waschküche, ein Keller, sowie ein Trockenboden zur Verfügung. Später wurden Gemeinschaftsbäder im Keller eingebaut. Jedes Haus hatte seien Hofraum, der abgeteilt war in einen Platz vor dem Haus- vor allem Spielplatz für die Kinder und einen Wäschetrockenplatz.

Die Wohnungen selbst bestanden in den ersten beiden Häusern aus viermal zwei Zimmer und Küche mit je 48 qm und einer Mansarde mit drei Zimmern und Küche zu 52 qm Wohnraum. Die Miete betrug 1920 für 48 qm Wohnraum 19,75 Mark.

Erwähnenswert erscheint noch, dass die oberste Baubehörde in München, welche die Planungen zu genehmigen hatte darauf bestand, die Decken in den Wohngeschossen nicht zu verputzen. Vorstand und Aufsichtsrat hatten diese Anweisung jedoch nicht befolgt und die Decken auf eigene Verantwortung verputzen lassen so dass wirklich menschenwürdig Wohnungen geschaffen wurden.

Das Wichtigste von 1921 bis 1945

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